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Eine Arche Noah für Kulturpflanzen – IPK Gatersleben beteiligt sich am Svalbard Global Seed Vault auf Spitzbergen

21. Februar 2008

Eine Arche Noah für Kulturpflanzen – IPK Gatersleben beteiligt sich am Svalbard Global Seed Vault auf Spitzbergen

Ein wenig mutet es an wie ein Bild aus einem Science Fiction Film: in einer gut geschützten Berghöhle in Longyearbyen auf der norwegischen Insel Spitzbergen, inmitten des Arktischen Ozeans, entsteht derzeit die weltgrößte Lagerstätte für Kulturpflanzensamen. 120 Meter tief im Permafrost-Fels werden dort zukünftig in einer Art riesigem Tresor bis zu 4,5 Millionen Duplikate von Saatgutmustern aller global verfügbaren Nutzpflanzenarten bei minus 18° Celsius sicher aufbewahrt. Hauptziel der norwegischen Initiative ist eine möglichst vollständige Erhaltung der wichtigsten Nutzpflanzenarten wie Reis, Mais, Weizen, Kartoffeln, Äpfel, Maniok, Wasserbrotwurzel oder Kokosnuss und deren riesiger Sortenvielfalt. Vorrang haben jedoch vor allem seltene Kultursorten, die die Nahrungsmittelsicherheit in Entwicklungs- und Schwellenländern gewährleisten sollen. Die feierliche Eröffnung der Genbank der Superlative ist am 26. Februar 2008.

Spitzbergen gehört zur Inselgruppe Svalbard und liegt mit je etwa 1000 Kilometer Entfernung zwischen dem norwegischen Festland und dem Nordpol. Dank seiner isolierten Lage in einem wirtschaftlich und politisch stabilen Land bietet es dem weltweiten Kulturpflanzenbestand die benötigte dauerhafte Sicherheit vor Gefahren wie Naturkatastrophen, Klimawandel, Epidemien oder Kriegen.

Auch das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) Gatersleben beteiligt sich an diesem Projekt und wird im Verlauf der nächsten Jahre Duplikate aller seiner annähernd 150.000 Genbank-Muster in Svalbard einlagern. Schon vor vier Jahren begann das IPK mit der Herstellung von Sicherungsduplikaten. Zur Eröffnung des Seed Vaults wurden jetzt 2.589 vakuum-verpackte Samenmuster nach Svalbard verschickt. Bislang standen dem IPK für Sicherungskopien des Saatgutbestands die Genbank-Außenstellen in Groß Lüsewitz und Malchow/Poel (Mecklenburg-Vorpommern) zur Verfügung. Zunächst wird das IPK vorrangig Saatgut verschiedener Leguminosen und Getreidearten auf Spitzbergen einlagern, wobei die Schwerpunkte auf Bohnen und Gerste liegen. Ende April 2008 folgt die nächste Sendung mit etwa 7.500 Mustern. Danach wird die Sicherungsalternative im Zweijahresrhythmus sukzessive ausgebaut.

„Das IPK nimmt das Angebot des Svalbard Global Seed Trust gerne an,“ sagt der Leiter der Genbank und Direktor des IPK Prof. Andreas Graner. „Der Erhalt und Schutz der genetischen Vielfalt unserer Kulturpflanzen ist ein wichtiger Beitrag für zukünftige Generationen gerade im Hinblick auf diejenigen Länder, in denen Nahrungsmittelsicherheit und landwirtschaftliche Entwicklung am meisten benötigt werden. Wir müssen uns vor potentiellen Verlusten der Biodiversität, hervorgerufen durch Faktoren wie Klimaveränderung oder neuen Pflanzenkrankheiten schützen.“ Auch vor dem Hintergrund des steigenden Nahrungsbedarfs einer wachsenden Weltbevölkerung sei der Erhalt des weltweiten Kulturpflanzenbestandes enorm wichtig.

Neben der zusätzlichen Saatgutsicherheit der eigenen Genbank setzt die norwegische Initiative aber auch ein Signal für die Öffentlichkeit: so soll das Seed Vault ein Bewusstsein schaffen für den Nutzen und die Notwendigkeit einer langfristigen Finanzierung solcher Einrichtungen.

Ein Ersatz für die eigene Genbank des IPK ist das Seed Vault jedoch nicht. Die Duplikate auf Spitzbergen sind eine reine, zusätzliche Sicherheitsmaßnahme. Das gesamte Genbank-Material am IPK muss nach einer kritischen Lagerdauer von durchschnittlich 20 Jahren regelmäßig vermehrt werden, da das Saatgut seine Keimfähigkeit auch tiefgekühlt irgendwann verliert. Etwa 5% der Sammlung - das entspricht 7.500 Saatgutmustern - werden jedes Jahr erneut gesät und geerntet.

Errichtet wird das Lager von der norwegischen Regierung in Kooperation mit der Nordic Gene Bank (Nordgen) sowie dem Global Crop Diversity Trust. Sie wird unter anderem auch von der Bill & Melinda Gates Foundation unterstützt. Zur weiteren Finanzierung will der Trust insgesamt 260 Millionen US-Dollar einwerben, um durch die Zinseinnahmen eine nachhaltige Finanzierung des Seed Vaults sicher zu stellen. Viele Länder wie Deutschland, Schweden, USA, die Schweiz oder England haben bereits hohe Summen eingezahlt.

Freies Bildmaterial unter:
 
Weitere Informationen unter:
 
Kontakt:
Prof. Dr. Andreas Graner
Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und
Kulturpflanzenforschung (IPK) Gatersleben
Telefon: 03 94 82/ 5-2 20
Telefax: 03 94 82/ 5-5 00
E-mail: graner@ipk-gatersleben.de
 
Über das IPK Gatersleben:

Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben ist eine außeruniversitäre, mit Bundes- und Ländermitteln geförderte Forschungseinrichtung und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von 82 Forschungseinrichtungen in Deutschland. Das IPK Gatersleben gehört zu den international bedeutsamen Zentren der Pflanzenforschung, in dem Fragestellungen der modernen Biologie vorrangig an Kulturpflanzen bearbeitet werden. Im Zentrum grundlagen- und anwendungsorientierter, interdisziplinärer Forschung steht die Erarbeitung neuer Erkenntnisse und Technologien mit dem Ziel einer umfassenden Nutzung pflanzlicher Vielfalt für eine optimierte Stoffproduktion und für eine umweltverträglichere Landwirtschaft. Mit der bundeszentralen ex situ-Genbank verfügt das IPK über eine einzigartige Sammlung pflanzengenetischer Ressourcen. Am IPK sind ca. 480 Mitarbeiter/-innen und Gäste, davon 190 Wissenschaftler/-innen, mit einem hohen Anteil ausländischer Mitarbeiter/-innen tätig.

 
Informationen zur Genbank am IPK:

In der Genbank erfolgen die Sammlung, Erhaltung, Charakterisierung, Evaluierung und Dokumentation genetischer Ressourcen landwirtschaftlicher und gärtnerischer Kulturpflanzen. Damit verbunden sind Serviceleistungen für ein breites Spektrum von wissenschaftlichen, züchterischen und kulturhistorischen Fragestellungen. Mit einem Gesamtbestand von 148.128 Mustern aus 3.049 Arten und 801 Gattungen zählt die Genbank des IPK zu den weltweit größten Einrichtungen ihrer Art. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Verhinderung des Aussterbens (Generosion) von Kulturpflanzen und von mit ihnen verwandten Wildarten. Der weitaus größte Teil der Sammlung lagert in Kühlräumen bei 0°C oder –15°C. Vegetativ vermehrtes Material wird in Form von Dauerkulturen im Feld oder durch in vitro-Kultur bzw. Kryokonservierung in flüssigem Stickstoff erhalten. Seit 1952 wurden über 710.000 Muster abgegeben. Neben den Lebendsammlungen verfügt die Genbank als internationales Informationszentrum zur Kulturpflanzentaxonomie über umfangreiche botanische Archivsammlungen.

Weitere Informationen zum aktuellen Bestand der ex situ-Sammlung und zur Onlinebestellung von Saatgut/Pflanzenmaterial sind im Genbank Informationssystem verfügbar.

Die sammlungsbezogenen Forschungsarbeiten zielen auf eine weitere Verbesserung des Genbankmanagements. Hierzu zählen die Optimierung von Verfahren zur Erhaltung von Samenmustern, zur in vitro und Kryokonservierung, die DNA-Marker gestützte Überprüfung der genetischen Integrität von Sammlungsmustern sowie die Erforschung der Evolution von Kulturpflanzen und ihrer genetischen Vielfalt.