24. April 2008 Gatersleben Betrachtet man das Dorf Gatersleben aus der Luft (Google macht’s möglich), fällt am westlichen Rand ein vielfach gegliedertes Gelände mit parkartigen Zügen auf. Betritt man dieses, erfreuen zunächst die gepflegten Außenanlagen mit viel Grün und unterschiedlichsten Bäumen, Sträuchern und Blumen. Gärtner sind in diesen Tagen emsig damit beschäftigt, die Beete und Pflanzen für die bevorstehende Saison vorzubereiten und die Überbleibsel des vergangenen Winters zu entfernen. Wir sind allerdings nicht in einem Botanischen Garten oder einer Gartenschau, sondern im Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung. Wie der Name sagt, wird hier vornehmlich an der Erforschung von Kulturpflanzen gearbeitet, eher nicht an Zierpflanzen oder Gehölzen.
Pünktlich zum Internationalen Tag des Baumes, am 25. April, erscheint nun eine Broschüre mit dem Titel Das Leibniz-Institut Gatersleben – ein Ort der Wissenschaft als Landschaftsgarten und Kunstraum, die sich nicht der Forschung, sondern einer anderen Seite des Instituts zuwendet. „Wir wollten einmal das in den Mittelpunkt stellen, was sonst von den meisten nur am Rande wahrgenommen wird, nämlich das Institut als Landschaftsgarten und Kunstraum.“, erläutert Prof. Ulrich Wobus, der seit der Neugründung 1992 die Geschicke des Instituts 15 Jahre lang geleitet hat.
Alles begann mit dem Aufbau nach 1945, wobei der Institutsgründer Prof. Hans Stubbe und sein Mitarbeiterstab sehr viel Wert auf eine großzügige Anlagengestaltung und eine Einpassung der Architektur in die flache Landschaft des Nordharzvorlandes legten. Wie alles entstand, ist auch Inhalt des ersten Kapitels in dem sehr ansprechenden Bändchen. Dabei beschränkte sich der Blick während der Aufbauarbeit nie nur auf das Institut selbst, sondern bezog immer den Ort Gatersleben und sein Umfeld mit ein. Von großen Planungen konnte Einiges verwirklicht werden wie Sportplatz und Sporthalle, anderes wie Schwimmbad und Reitplatz kamen über das Reißbrettstadium nicht hinaus. Die Institutsanlagen erfuhren in den vergangenen Jahrzehnten zwar manche Veränderung im Detail, doch blieb es stets ein wichtiges Anliegen, auch bei den umfassenden Sanierungen der vergangenen Jahre, die Anlagen „unter Wahrung der historischen Gebäudestrukturen und des Landschaftsparks“ zu erhalten. Im Jahr 1996 wurde das Gelände samt aller Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, ohne die zeitgemäße Nutzung als einen Ort der Forschung zu beeinträchtigen.
Das zweite Kapitel beschreibt die Entstehung der parkähnlichen Anlagen, die das Schöne mit dem Nützlichen verbinden sollten und sollen. Dazu schildern die Autoren manch interessantes Detail, wie den Birnenweg, der in die Versuchsfelder führt, oder das Wäldchen vor dem Vavilov-Haus. Besonders interessant für Garten- und Blumenfreunde ist sicher der Staudengarten mit Teich und ungefähr 2300 verschiedenen Arten und Sorten an Zierpflanzen. Er wird besonders gern besucht und lädt zum Verweilen ein. (siehe beigefügtes Bild)
Anschließend wird der Leser in sechs Spaziergängen durch das Gelände mit seinen mehr als 2500 Gehölzen und 60 Kunstwerken geführt und erhält Informationen zu besonders auffälligen Baumpersönlichkeiten, Plastiken und anderen Kunstwerken. Besucher, die so angeleitet, das Institutsgelände erkunden wollen, können sich am Haupteingang anmelden. Gatersleben liegt ca. 15 Kilometer nordöstlich von Quedlinburg und ist neben dem PKW auch per Bahn erreichbar. Hervorragend ergänzt wird die reich bebilderte Broschüre durch eine CD mit Geländeübersichtskarten, vollständigen Listen der Gehölze und Kunstwerke, sowie vielen zusätzlichen Fotos, eine Fundgrube besonders auch für den Baumspezialisten, den Dendrologen.
Neben den Forschungsarbeiten wurde seitens des Instituts immer auch großer Wert auf einen breiten Gedankenaustausch und vielfache Diskussion zwischen Wissenschaft und Gesellschaft gelegt. Diese Tradition wird im letzten Kapitel kurz beschrieben. Regelmäßig wurden die unterschiedlichsten Veranstaltungen organisiert, um „den Inselkomplex der aus Groß- und Mittelstädten stammenden Mitarbeiter und ihrer Familien“ zu überwinden. Einen hohen Bekanntheitsgrad weit über den regionalen Rahmen hinaus erwarben sich die seit 1986 von A.M. Wobus und U. Wobus organisierten und auf der CD gelisteten Gaterslebener Begegnungen, bei denen Schriftsteller, Kunstschaffende, Natur- und Geisteswissenschaftler, sowie Politiker über die Auswirkungen der modernen Wissenschaft auf die Gesellschaft diskutierten.
Ermöglicht wurde die Erstellung der Broschüre durch die großzügigen Spenden von Personen, Firmen und Institutionen anlässlich des 65. Geburtstages von Prof. Ulrich Wobus im letzten Jahr und die Unterstützung der Gemeinschaft zur Förderung der Kulturpflanzenforschung. Ein Teil der Einnahmen aus dem Verkauf der Broschüre kommt der Arbeit dieser Gemeinschaft zu gute.
Die 60 Seiten umfassende Broschüre mit CD kann zum Preis von 10 Euro unter Angabe einer Versandadresse über die unten stehende Adresse oder per Fax bestellt werden. Nach Eingang der Zahlung an IPK Gatersleben bei der Kreissparkasse Aschersleben-Staßfurt (BLZ 810 500 00, Konto-Nr. 3 062 000 057) und Verwendungszweck: Broschüre IPK/[NAME] wird die Broschüre verschickt. Bei Direktkauf im IPK (in der Information der Verwaltung) sind es 8 Euro.
IPK Gatersleben
Ag FW/ Broschüre IPK
Corrensstraße 3
06466 Gatersleben
Fax: 039482 5137
Inhaltliche Fragen zur Broschüre können Sie gern an Frau Katrin Menzel als Mitherausgeberin der Broschüre richten:
Katrin Menzel
IPK Gatersleben
Corrensstraße 3
06466 Gatersleben
Telefon 039482 5689
Freies Bildmaterial (B. Schütze)
Über das IPK Gatersleben
Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben ist eine außeruniversitäre, mit Bundes- und Ländermitteln geförderte Forschungseinrichtung und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von 82 Forschungsinstituten in Deutschland. Das IPK Gatersleben gehört zu den international bedeutsamen Zentren der Pflanzenforschung, in dem Probleme der modernen Biologie vorrangig an Kulturpflanzen bearbeitet werden. Im Zentrum grundlagen- und anwendungsorientierter, interdisziplinärer Forschung steht die Erarbeitung neuer Erkenntnisse und Technologien mit dem Ziel einer umfassenden Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen für eine optimierte Stoffproduktion und für eine umweltverträglichere Landwirtschaft. Mit der bundeszentralen ex situ-Genbank verfügt das IPK über eine einzigartige Sammlung pflanzengenetischer Ressourcen aus über 3.000 botanischen Arten von 800 verschiedenen Gattungen. Der Gesamtbestand beträgt gegenwärtig etwa 148.000 Kulturpflanzenmuster. Am IPK sind etwa 480 Mitarbeiter/-innen und Gäste, davon ca. 190 Wissenschaftler/-innen aus 20 Nationen tätig.
Über die Gemeinschaft zur Förderung der Kulturpflanzenforschung e. V.
Die seit 1993 bestehende Fördergemeinschaft mit derzeit 65 Mitgliedern hat sich zum Ziel gesetzt, die Kulturpflanzenforschung am IPK ideell und finanziell zu fördern. Zudem soll die Ressourcen- und Genomforschung gefördert und weiterentwickelt werden, um somit die Sammlung, Erhaltung und Verfügbarkeit pflanzengenetischer Ressourcen zu sichern. Erreicht werden sollen diese Ziele durch Unterstützung des wissenschaftlichen Nachwuchses, z. B. die Auslobung des Gaterslebener Forschungspreises, die Organisation von Tagungen, Vorträgen und Informationsveranstaltungen sowie durch eine aktive Arbeit mit Interessenverbänden und Organisationen auf nationaler als auch internationaler Ebene.