Violette Tomaten gut fürs Herz

Ein EU-weites Konsortium von Pflanzenbiologen und Medizinern aus Großbritannien, Italien, Deutschland und der Niederlande konnte kürzlich zeigen, dass Nahrungsmittel mit einem hohen Anteil an Anthocyanen, den violetten Pigmenten bekannt z. B. aus Blaubeeren, das Herz schützen können. Die starke Anreicherung der Anthocyane aus der Gruppe der Flavonoide wurde durch die Expression zweier Transkriptionsfaktoren aus dem Löwenmäulchen in Tomaten erzielt. In den Tomatenfrüchten erhöhte sich der antioxidative Status deutlich und erreichte Niveaus, die sonst nur in Blau- bzw. Brombeeren zu finden sind. Neben den Flavonoiden tragen hierzu auch die ebenfalls enthaltenen Carotinoide bei.
Die Forscher zeigten in der Online-Ausgabe von Nature Biotechnology vom 26. Oktober, dass sie die durchschnittliche Lebensdauer Krebs-anfälliger Mäuse, die mit einem Anteil an diesen Tomaten gefüttert wurden, von 140 auf 180 Tage im Vergleich zu herkömmlichen Tomaten deutlich steigern konnten.
Herkömmliche und stark Anthocyan-haltige Tomaten
(Quelle: John Innes Centre, Norwich, Großbritannien)
Der deutsche Partner im Konsortium, die Arbeitsgruppe „Angewandte Biochemie“ am IPK Gatersleben unter Leitung von PD Dr. Hans-Peter Mock, übernahm die phytochemische Charakterisierung der verwendeten Tomatenlinien. Sie konnten in den Tests nachweisen, dass die Erhöhung der Anthocyankonzentration in den veränderten Tomaten ausschlaggebend für die Verlängerung der Lebensdauer war.
Schon in einem früheren Versuch in diesem Jahr zeigten Forscher desselben Konsortiums, dass eine Anthocyan-haltige Ernährung bei Ratten das Risiko für Herzinfarkt senken kann.
Die Forscher sehen in der gelungenen Zusammenarbeit zwischen Pflanzenbiologen und Medizinern einen Beweis für das Potenzial der Pflanzenbiotechnologie, chronische Erkrankungen zu lindern. Weiterhin sollen in die zukünftigen Untersuchungen herkömmliche Tomatenlinien aus der Genbank Gatersleben einbezogen werden, die von sich aus einen hohen Gehalt an Flavonoiden aufweisen.
Kontakt:
PD Dr. Hans-Peter Mock
Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK)
06466 Gatersleben
Weitergehende Informationen:
Das Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK) in Gatersleben ist eine außeruniversitäre, mit Bundes- und Ländermitteln geförderte Forschungseinrichtung und Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft, einem Zusammenschluss von 82 Forschungsinstituten und Serviceeinrichtungen für die Forschung sowie sechs assoziierten Mitgliedern in Deutschland. Das IPK Gatersleben gehört zu den international bedeutsamen Zentren der Pflanzenforschung, in dem Fragestellungen der modernen Biologie vorrangig an Kulturpflanzen bearbeitet werden. Im Zentrum grundlagen- und anwendungsorientierter, interdisziplinärer Forschung steht die Erarbeitung neuer Erkenntnisse und Technologien mit dem Ziel einer umfassenden Nutzung pflanzlicher Vielfalt für eine optimierte Stoffproduktion und für eine umweltverträglichere Landwirtschaft. Mit der bundeszentralen ex situ-Genbank verfügt das IPK über eine einzigartige Sammlung pflanzengenetischer Ressourcen. Mit einem Gesamtbestand von 148.000 Mustern aus 3.000 Arten zählt die Genbank des IPK zu den weltweit größten Einrichtungen ihrer Art. Am IPK forschen und arbeiten etwa 500 Mitarbeiter/-innen aus 20 Nationen.
Die Forschungsarbeiten wurden in zwei Projekten zur Untersuchung der gesundheitsfördernden Wirkung von bioaktiven Inhaltsstoffen in der Nahrung durchgeführt, die von der EU finanziert wurden: