Gründung des Institutes

Das heutige IPK - ursprünglich Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kulturpflanzenforschung  - wurde ab 1945 am Standort Gatersleben aufgebaut. 

 

In den dreißiger Jahren entwickelten führende Biologen der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft Forschungsansätze und -strategien, die in wesentlichen Zügen noch heute Bestand haben. Unter breiter Nutzung gene­tischer, taxonomischer, physiologischer, biochemischer und biophysikalischer Methoden und Denkansätze sollte, ausgehend von Erkenntnissen der Genetik, pflanzenbiologische Grund­lagenforschung mit dem Ziel verbunden werden, neue Möglichkeiten für die züchterische Verbesserung von Kulturpflanzen zu erarbeiten. 

 

Wichtig war, die große Vielfalt der Kultur­pflanzen zu sammeln, zu bewahren und für die Forschung zu nutzen. Bereits damals war weitsichtigen Wissenschaftlern die zunehmende Gefährdung der Formenmannigfaltigkeit der Kulturpflanzen und die daraus folgende Notwendigkeit bewusst, pflanzengenetische Ressour­cen zu erhalten. Damit sollte die Arbeit an einem Problem begonnen werden, das inzwischen weltweit außerordentliche Bedeutung erlangt hat.

 

Institutionalisiert wurden diese Ideen 1943 durch Gründung des Kaiser-Wilhelm-Instituts für Kulturpflanzenforschung unter Hans Stubbe (s. Foto), der das Institut ab 1945 in Gatersleben aufbaute. Auf genetischem, cytologischem, phylogenetischem, systematisch-morphologischem sowie physikalischem und physiologischem Gebiet wurde Erkundungs- und Grundlagenforschung an Kulturpflanzen durchgeführt. Dabei galt dem ständigen Ausbau der Sammlung lebender Kulturpflanzen besondere Aufmerksamkeit. Andere Organismengruppen - wie Bakterien, Zuckmücken und Laborsäuger - wurden mit in das Experimentalprogramm aufgenommen. Eng verbunden mit der wissenschaftlichen Arbeit waren die Auseinandersetzung mit und der Widerstand gegen die Irrlehren des Lyssenkoismus, welche das Gaterslebener Institut „über die in seinem Namen liegenden Aufgaben hinaus das große, freie Institut für Genetik in diesem Teil Mitteleuropas" werden ließ (G. Melchers). Die Tradition der geistigen Unabhängigkeit und wissenschaftlichen Glaubwürdigkeit blieb im Kern erhalten, trotz ideologischer Reglementierung und personeller Fehlentscheidungen, besonders in den achtziger Jahren.