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IPK Leibniz-Institut/ J. Himpe
Gaterslebens Ortsbürgermeister Jörg Erdmenger
Die Rezepte des Küchenbauers

Gaterslebens Ortsbürgermeister Jörg Erdmenger beschreibt im Interview seine Verbindung zum IPK, erklärt seine Pläne für den Ort und erläutert, wie die Beziehungen zum Institut noch verbessert werden können.

Was verbindet Sie persönlich mit dem IPK? Und wie erleben sie das Institut? 

Ich habe mich als Küchenbauer 2004 selbstständig gemacht und habe in der Folge auch viele Aufträge vom IPK bekommen. Und ich erinnere mich noch genau, wie damals im Wohnheim aus jeder Küche andere Gerüche kamen, je nach Nationalität der Bewohnerinnen und Bewohner. Das hat mich sehr fasziniert. Seit dieser Zeit gehe ich auch immer wieder zum Mittagessen in das „Casino“, die Kantine des IPK. Mir schmeckt dort nicht nur das Essen, mir gefällt auch die ungezwungene, gesellige Atmosphäre.   

Nicht jeder Ortsbürgermeister hat in seinem Ort ein international renommiertes Institut mit mehr als 500 Beschäftigten. Welchen Stellenwert hat das IPK für Gatersleben?

Das IPK bedeutet Gatersleben, anders kann man es nicht sagen. Um nur ein Beispiel aus dem Alltag zu nennen: Wenn sie abends in Gatersleben in den Supermarkt gehen, dann hören sie so viele unterschiedliche Sprachen, das gibt es anderswo einfach nicht. 

Einer unserer Arbeitsgruppenleiter ist bei der Feuerwehr engagiert, es gibt zwei Sportgruppen im Sportverein, die von IPK-Beschäftigten organisiert werden, und man trifft sich beim „Tag der offenen Türen“ auf dem Forschungscampus oder bei Veranstaltungen im Ort. Das muss Sie als Bürgermeister doch freuen.

Ja, das freut mich natürlich außerordentlich. Aber ich kenne es hier auch nicht anders. Dieses Miteinander ist einfach über die vielen Jahre gewachsen. Ich selbst bin engagiert im Angelverein. Wir hatten lange Zeit einen indischen Wissenschaftler dabei, der auch immer für uns gekocht hat. Damals hat uns sogar ein Team des rbb einen Tag lang begleitet und über uns berichtet. Auch im Sportverein „Saxonia 1920 Gatersleben“ sind schon seit Jahren regelmäßig ausländische Spieler in der Fußballmannschaft.

Dennoch gibt es auch noch Berührungsängste. Das IPK sei ein Dorf im Dorf, fast ein zweites Gatersleben, sagte ein Kamerad der Feuerwehr. Auch Andreas Priepke, Vereinsvorsitzender von „Saxonia 1920 Gatersleben“, sagte in einem Interview, früher habe es mehr Berührungspunkte mit dem Institut gegeben habe. Wie erklären Sie diese Wahrnehmung? 

Vielleicht gibt es eine einfache Erklärung…

… wir sind gespannt.

Die Schranke an der Pforte! Ich denke, viele der ausländischen Forscherinnen und Forscher fühlen sich auf dem Campus sehr wohl. Die Schranke grenzt sie aber auch ein wenig ab vom Ort. Und die Leute aus dem Ort schreckt die Schranke an der Pforte vielleicht ab, sie denken möglicherweise an Kontrolle und Überwachung, und sie fragen sich: Warum soll ich da durch? Oder: Wie komme ich da überhaupt durch? 

Mit Katrin Menzel, der Leiterin der Arbeitsgruppe Campusmanagement am IPK, habe ich schon im Spaß einen Plan entworfen: Sie würde die Mitarbeitenden aus dem Institut bis zur Schranke eskortieren, wo ich sie übernehme, um ihnen zu zeigen, dass hinter dem Tor tatsächlich noch ein richtiges Leben im Ort existiert. 

Das IPK möchte aber auch die Kinder und Jugendlichen im Ort ansprechen und einbinden. So gingen die Einnahmen vom Flohmarkt zum „Tag der offenen Türen“ als Spende an die Kita Sonnenschein. Und im Frühjahr war eine Grundschulklasse einen Tag lang am IPK. Ist das die beste Art und Weise, die Verbindungen weiter zu intensivieren? 

Kinder sind ein wichtiger Schlüssel. Ich erinnere mich noch sehr genau an die Zeit Anfang der 1990er Jahre. Plötzlich gab es über das IPK ausländische Familien im Dorf, was für viele eine neue Erfahrung war. Die Kinder selbst haben in der Kita jedoch einfach spielerisch untereinander Kontakt aufgenommen. Das war harmonisch und sehr schön anzusehen. Auf dieser Basis kamen dann auch wir als Eltern ins Gespräch, aber den ersten Schritt aufeinander zu haben tatsächlich die Kinder gemacht. 

Und wenn heute das IPK der Kita Geld spendet und die Grundschulkinder einlädt, ist das ohne Frage ein weiterer wichtiger Impuls, der in die Familien hinein ausstrahlt.

Sie wollen auch einen Impuls geben und haben für Anfang September Vertreterinnen und Vertreter der Vereine eingeladen. Was ist das Ziel der Veranstaltung? 

Wir haben zwar ein sehr aktives und lebendiges Vereinsleben in Gatersleben, aber manche Dinge könnten untereinander noch besser koordiniert und abgestimmt werden. So ist die Idee entstanden, eine Art Dachverein ins Leben zu rufen, der diese Aufgabe künftig übernimmt und zugleich auch eine Anlaufstelle ist. Wir haben auch schon Leute gefunden, die sich dort engagieren möchten. Anfang September geht es uns darum, das Projekt allen Vereinen und Einrichtungen, darunter natürlich auch dem IPK, vorzustellen und zu erklären.   

Worum könnte sich der Dachverein konkret kümmern?

Die Organisation von Festen könnte ebenso zu den Aufgaben gehören wie die Erhaltung des Ortsbildes. So könnten Patenschaften zur Pflege der Blumenrabatten übernommen oder auch der Frühjahrs- oder Herbstputz organisiert werden. Die Erfahrung hat uns gezeigt, wie wichtig solche Aktionen sind. Die Kontakte, die sich dabei ergeben, sind Gold wert. Und das IPK hat sich da beim letzten Mal mit rund 20 Leuten auch sehr intensiv eingebracht. 

Die nächste Einladung kommt aus dem IPK – zum Blutspendetermin am 29. Oktober auf dem Forschungscampus. Machen Sie auch als Gemeinde auf diesen Termin aufmerksam? 

Im letzten Jahr haben mich ältere Leute angesprochen und bedauert, dass es in Gatersleben keine Blutspendetermine mehr gibt. Insofern freue ich mich sehr, dass das DRK auf Initiative des IPK wieder einen solchen Termin anbietet, der auch für die Leute im Ort gedacht ist. Wir werden das auf jeden Fall noch über Plakate bekannt machen und hoffen, dass es künftig wieder regelmäßig stattfindet. 

„Ziel ist es, nicht nur alle zwei Jahre auf dem Forschungscampus das ‚Fest der Begegnung‘ zu feiern, sondern Gatersleben jeden Tag zu einem Ort der Begegnung zu machen“ sagten Sie im Juni beim „Tag der offenen Türen“ am IPK. Wie sind Sie auf diese Formulierung gekommen?

Eigentlich bin ich kein geborener Redner und habe am Abend deshalb am Abend zuvor Chat GPT befragt. Doch als ich den Vorschlag der KI für meine kurze Rede gelesen hatte, dachte ich mir: „Das bist nicht Du“. Und dann habe ich mich gefragt: Worum was geht es uns eigentlich? Es geht um die tägliche, positive Begegnung. Um diesen Gedanken herum habe ich mir dann einige Stichpunkte gemacht. Heute hoffe ich, dass wir mit dem neuen Dachverein einen weiteren großen Schritt in diese Richtung machen können.

Sie sind jetzt ein Jahr im Amt. Wie fällt Ihre Bilanz aus?

Schulungen, Versammlungen, Pflichtaufgaben – die zeitliche Belastung in diesem Ehrenamt ist schon höher als mir viele das vorher gesagt haben. Aber die wollten wahrscheinlich nur, dass ich das Amt übernehme (lacht). Ich habe es aber dennoch nicht bereut, diese Aufgabe zu übernehmen. Mein Vorteil ist sicher, dass ich vorher schon den halben Ort kannte, inklusive vieler Leute am IPK wie Katrin Menzel oder Josefine Köhler. Und ich konnte hier derselbe Mensch bleiben wie vorher, nur halt auf einem anderen Posten. 

Was wünschen Sie sich für das nächste Jahr?

Was das IPK angeht, so hoffe ich, dass die Zusammenarbeit so gut und vertrauensvoll bleibt wie bisher. Für den Ort wünsche ich mir, dass sich alle Vereine voll in den neuen Dachverein einbringen und dort persönliche Befindlichkeiten, die es ja überall gibt, außen vor bleiben.