News

© Leibniz-Institut (IPK)
INCREASE erhält EU-Preis

Das Projekt INCREASE hat am Donnerstagabend in Linz (Österreich) den „Grand Prize“ für Bürgerwissenschaft 2024 erhalten. Die Entscheidung über die Vergabe der mit 60.000 Euro dotierten Auszeichnung an das Citizen Science Projekt zum Erhalt der Bohnenvielfalt hatte die Europäische Union bereits im Juni bekannt gegeben. Das Projekt, an dem sich bisher knapp 20.000 Menschen aus ganz Europa beteiligt haben, wird vom IPK mit koordiniert.

 „Die Preisverleihung und Gala im Linzer Design Center waren eine einmalige Erfahrung, es war sehr spannend die anderen Gewinner und Honorary mentions kennenzulernen“, sagte Dr. Kerstin Neumann vom IPK Leibniz-Institut, die das Projekt gemeinsam mit Prof. Roberto Papa von der Polytechnischen Universität der Marken (Italien) koordiniert. Im Rahmen des „Ars Electronica Festivals“ wurden in Linz insgesamt 13 Auszeichnungen vergeben - von den Goldenen Nicas über die StartsPrizes bis hin zum Award Digital Humanity.  „Wir bedanken uns bei der Jury für die Wahl des INCREASE-Projektes. Dieser Erfolg beruht auf sehr guter Zusammenarbeit auf allen Ebenen, und wir wünschen uns, dass sich noch mehr Bürger für das Thema Agro-Biodiversität interessieren und der Bohnenfreunde-Community beitreten“, sagte die IPK-Wissenschaftlerin nach der Gala.

Ziel des Projektes ist es, möglichst viele Bürgerinnen und Bürger bei der Erfassung wichtiger Merkmale wie Wachstum, Aussehen, Blütezeitpunkt oder Ertragskomponenten von mehr als 1.000 alten Bohnensorten einzubeziehen. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer erhält dabei sechs Bohnensorten. Diese sät er bei sich aus und erfasst dann verschiedene Merkmale mit Hilfe der App „INCREASE CSA“. So erhalten die Wissenschaftler und Wissenschaftler letztlich eine sehr große Datenbasis. „Wir wollen das Thema Biodiversität aber auch noch präsenter machen und das Wissen über und das Gefühl für die Vielfalt der Bohnen vergrößern“, sagte Dr. Kerstin Neumann. So lagern alleine in der Genbank des IPK mehr als 8.400 alte Muster.

„Die Zusammenarbeit zwischen den Bürgerinnen und Bürgern und den großen Forschungszentren ist herausragend und ein Beispiel dafür, wie Spitzenforschungszentren ihre Forschungsprozesse für wissenschaftliche Spitzenleistungen und soziale Integration öffnen“, heißt es in der Begründung der Jury.

„Wir sind begeistert, geehrt und dankbar für die Anerkennung unserer Arbeit durch die Europäische Kommission und das Preiskomitee. Dass sie die Bedeutung der Beteiligung der Bürger an der Wissenschaft hervorheben, ist ein Beweis für unsere gemeinsame Vision, die Zukunft unserer Gesellschaften gemeinsam zu gestalten“, hatte Prof. Roberto Papa bereits nach der Entscheidung der Europäischen Union im Juni gesagt. Vergeben wird der EU-Preis laut Ausschreibung für herausragende Bürgerwissenschaftsprojekte, die eine inklusive und nachhaltige europäische Gesellschaft fördern.

 „Der Preis ist eine Anerkennung unserer Arbeit, und wir freuen uns natürlich riesig darüber, dass wir mit der Idee, pflanzengenetische Ressourcen mit Hilfe der Bürgerinnen und Bürger Europas zu erforschen, auf so große Resonanz gestoßen ist“, betonte IPK-Wissenschaftlerin Dr. Kerstin Neumann. So hätten sich in den vergangenen vier Jahren fast 20.000 Menschen an dem Projekt beteiligt. „Ihnen gilt heute unser besonderer Dank, sie sind das Herzstück dieses Ansatzes und investieren sehr viel Herzblut und Zeit in den Anbau und die Charakterisierung vieler alter Bohnensorten.“

Allein in Deutschland gab es in der aktuellen Runde 1.337 neue Teilnehmer, darunter auch 61 Schulgärten. Zusätzlich gab es 439 Teilnehmer, die schon in den vergangenen Runden mitgemacht haben.

Die Spanne der Menschen, die bei INCREASE mitmachen, reiche dabei vom passionierten Einzelgärtner über ganze Gartengemeinschaften und Familien bis hin zu Schulklassen und Vereinen. „Einen besseren Weg, das Thema Agrobiodiversität in die Lebenswirklichkeit der Menschen zu holen und dabei den Austausch zwischen Wissenschaft und Allgemeinheit zu fördern, gibt es vermutlich nicht“, sagte Dr. Kerstin Neumann. Zudem sei es wohltuend, dass Menschen verschiedener Herkunft, Altersklassen sowie mit unterschiedlicher Erfahrung im Gärtnern zusammenarbeiten, sich austauschen, Tipps geben und sogar über Ländergrenzen hinweg Saatgut miteinander austauschen, sagte die IPK-Wissenschaftlerin, die 2023 für 100 Teilnehmer des Citizen Science Experimentes auch einen Bürgertag am IPK organisiert hat.

Das Preisgeld soll genutzt werden, um die INCREASE-Bürgerwissenschaftler-App um neue Funktionen zu erweitern und die Kommunikationsmaßnahmen zu verstärken. Geplant sind Videos, in denen die Ergebnisse des Experiments in einfacher Sprache vorgestellt werden, Veranstaltungen und Toolkits für Schulen. „Der Preis, aber auch die große Motivation aller Beteiligten und die vielen Medienberichte über das Citizen Science Projekt sind für uns die beste Motivationsspritze, diesen Ansatz weiterzuführen“, sagte Dr. Kerstin Neumann. So sind Anmeldungen für die nächste Runde vermutlich ab November 2024 möglich.

Alle Infos zum Projekt und zur App:

https://www.pulsesincrease.eu

https://www.pulsesincrease.eu/experiment

https://www.pulsesincrease.eu/experiment/app