Staunen, fragen, mitmachen! Unter diesem Motto haben das IPK Leibniz-Institut und mehrere Firmen des Forschungscampus Gatersleben am 06. Juni zum „Tag der offenen Türen“ eingeladen. Etwa 1.000 Besucherinnen und Besucher nahmen an Führungen und Experimenten teil, verfolgten einen unterhaltsamen Festvortrag und informierten sich aus erster Hand.

„Schatz, die Führungen gehen los, komm schnell“, rief eine Besucherin vor dem Casino ihrem Mann aufgeregt zu. Und in der Tat: Kurz nach 11 Uhr startete beim „Tag der offenen Türen“ die erste große Runde mit Führungen, die unter anderem durch die Genbank, die PhänoSphäre, den Staudengarten sowie die Vermehrungs- und Versuchsflächen führten. Und wie in den Vorjahren bildeten sich an den Sammelpunkten vor den Hinweistafeln am späten Vormittag wieder große Menschentrauben.
Eine gute Stunde zuvor hatte Nicolaus von Wirén als Geschäftsführender Direktor den „Tag der offenen Türen“ im voll besetzten Hörsaal eröffnet. „Wir wollen unsere Begeisterung für die Pflanzenforschung mit Ihnen teilen. Nutzen Sie die Chance, den Campus mit all seinen Facetten zu erkunden.“ Thomas Wünsch, Staatssekretär im Ministerium für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt in Sachsen-Anhalt, unterstrich in seinem Grußwort die Bedeutung des IPK. „Hier wird an der Zukunft geforscht, an Aufgaben wie der Sicherung unserer Ernährung, die für uns alle essenziell sind“, erklärte der Staatssekretär. „Deshalb tragen Sie bitte weiter, was Sie heute hier erleben.“
Das erste besondere Erlebnis erwartete die Gäste jedoch bereits im Hörsaal. Dort hielt John D’Auria den Festvortrag „Die chemische Sprache der Pflanzen: Vom Stoffwechsel zum Gesprächsstoff“. Der Leiter der Arbeitsgruppe „Metabolische Diversität“ am IPK nahm seine Zuhörerinnen und Zuhörer mit auf eine knapp einstündige „persönliche Forschungsreise“, wie er selbst betonte. Was folgte, war weit mehr als ein Überblick über seine bisherigen Stationen in Kalifornien, Michigan, Thüringen, Texas und nun am IPK in Sachsen-Anhalt. Es war eine gelungene Verbindung aus anschaulich und verständlich erklärten Einblicken in seine Forschung und bester Unterhaltung. „Hinter eines Baumes Rinde wohnt die Made mit dem Kinde“ war nur einer der Heinz-Erhardt-Verse, die John D’Auria auswendig vortrug. Auf einprägsame Weise erzählte er damit die komplexe Geschichte von Evolution, Verteidigung, Anlockung und Widerstand der Pflanzen und erhielt dafür großen Applaus sowie zahlreiche Komplimente im Nachgang.
In einem Podiumsgespräch ging es darum, wie die Landwirtschaft künftig auf Trockenheit, den Klimawandel und neue Anforderungen reagiert, welche Impulse aus der Forschung kommen und wie daraus praxistaugliche Lösungen entstehen. „Wir brauchen angesichts der großen Herausforderungen wie dem Klimawandel in jedem Falle eine Transformation in der Landwirtschaft und müssen unsere Ressourcen besser schonen“, sagte Nicolaus von Wirén. „Dafür wollen wir die richtigen Werkzeuge entwickeln und der Züchtung in die Hand geben“, so der Geschäftsführende Direktor des IPK. Lutz Trautmann, langjähriger Geschäftsführer der Agrargenossenschaft Hedersleben, setzt große Hoffnung auf die Grüne Gentechnik. „Wir brauchen Forschung wie am IPK, wir brauchen aber auch neue Methoden.“ Staatssekretär Thomas Wünsch brach eine Lanze für die Freiheit der Wissenschaft. „Das ist ein sehr hohes Gut, das erhalten und geschützt werden muss. Die Politik hat vor allem die Aufgabe, für den passenden Rahmen zu sorgen.“
Und wie die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler am IPK arbeiten, wurde nicht nur bei den Führungen durch die Genbank und die PhänoSphäre deutlich. Unter dem Titel „CRISPR, Kallus und Genkanone“ gaben Forscherinnen und Forscher am Sonnabend Einblicke in den Einsatz von Biotechnologie in Forschung und Züchtung. In der Präsentation „Mit Hightech den Buchstaben des Lebens auf der Spur“ ging es um die DNA-Sequenzierung. Zudem gab es spannende Einblicke in den Einsatz der Kernspintomografie und der Elektronenmikroskopie in der Pflanzenforschung.
Doch nicht nur das: An Infoständen präsentierten sich unter anderem die Teilsammlungen Nord der Genbank („Schätze aus dem Norden“) und das Projekt Neuland-PLANDT, das das IPK mit der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle organisiert. Und wer sein Fahrrad dabeihatte, konnte an einer „Musikalischen Radtour zur Biogasanlage“ teilnehmen.
Abgerundet wurde der „Tag der offenen Türen“ durch ein umfangreiches Kinderprogramm sowie die gute Versorgung im Casino, am Grill und an den Ständen vor dem Hörsaal.
Zum Tag der offenen Türen gibt es auch ein Video mit viele Impressionen:
https://youtube.com/shorts/gwWa3C0LMc4?feature=share