News

IPK Leibniz-Institut/ D. Wilkerling
Anna Backhaus und Nils Stein führen Ministerpräsident Sven Schulze durch die Genbank.
Sven Schulze besucht das IPK

Am vierten Tag seiner Sommertour machte Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Station am IPK. Dort informierte er sich nicht nur über die aktuelle Forschung, sondern legte in der PhänoSphäre und der Genbank selbst Hand an.

„Guten Tag, Herr Direktor“, sagte Sven Schulze, als er am Donnerstag kurz nach 14 Uhr von Nicolaus von Wirén an der Pforte des IPK begrüßt wurde. Der Ministerpräsident machte auf seiner Sommertour Station in Gatersleben. In blauen Turnschuhen, schwarzer Hose und gelb-weißem Trikot mit dem Landesmotto #moderndenken stieg er vom Rad. „Solche Touren habe ich schon als Minister gerne gemacht und kenne Sachsen-Anhalt daher fast so gut wie meine Westentasche“, sagte er auf dem Weg zur PhänoSphäre. Nach einer kurzen Stärkung war er dort wenig später als „Erntehelfer“ gefragt.

Thomas Altmann, der Leiter der Abteilung „Molekulare Genetik“, gab dem Regierungschef einen Zollstock und eine Gartenschere. Anschließend stieg dieser sechs Stufen einer Trittleiter hinauf, um die Höhe einer der zwölf im Versuch angebauten Rapssorten in einem der Container zu bestimmen. Im laufenden Experiment übernimmt diese Aufgabe täglich ein Laserscanner am PhenoCrane, der mit verschiedenen Sensoren und Kameras ausgestattet ist. „1,60 bis 1,70 Meter“ lautete das Ergebnis der Messung bei Sven Schulze. Danach schnitt der Regierungschef die Schoten ab, die später im Detail ausgewertet werden sollten. Damit wurde deutlich: Selbst in dieser hochautomatisierten und weltweit einmaligen Anlage bleibt präzise Handarbeit unverzichtbar.

Doch Sven Schulze informierte sich natürlich über die aktuelle Forschung des gesamten Instituts. „Wir adressieren die großen, globalen Herausforderungen, wie den Klimawandel, den Verlust an Biodiversität und die Sicherung der künftigen Nahrungsmittelproduktion“, sagte Nicolaus von Wirén. Herzstück und Ausgangspunkt der Forschung ist die Genbank mit mehr als 151.000 Mustern. „Wir brauchen letztlich eine Transformation der Landwirtschaft und wollen dafür auch in Zukunft das erforderliche Wissen bereitstellen.“ Ein Ansatz, mit dem er beim Ministerpräsidenten auf offene Ohren stieß. „Es ist wichtig, dass wir die Ergebnisse der Forschung auch nutzbar machen“, erklärte Sven Schulze. Das gelte auch für Sachsen-Anhalt. „Wir haben hier zwar die besten Böden, aber zu wenig Wasser.“ 

Die PhänoSpähre ist für diese Forschung ein zentraler Baustein. „Wir versuchen hier, Beziehungen zwischen dem Erbgut und den Eigenschaften der Pflanzen herzustellen“, erklärte Thomas Altmann. „Wir untersuchen aber auch Wechselwirkungen zwischen dem Erbgut und den Umweltbedingungen.“ Viele Umweltbedingungen wie Temperatur, Licht und Wind lassen sich in der PhänoSphäre kontrolliert, reproduzierbar und zugleich feldähnlich einstellen. „Das macht uns unabhängig vom Zufall“, sagte Thomas Altmann, „und ermöglicht uns zudem, künftig erwartete Umweltszenarien bereits heute in unsere Forschung zu integrieren.“ Damit liefert das IPK wichtige Antworten auf die Herausforderungen von morgen. 

Aber auch in der Genbank, der zweiten Station am IPK, war Sven Schulze gefordert. „Knapp 50 Prozent unserer Akzessionen lagern bereits als Duplikate im internationalen Saatguttresor Global Seed Vault auf Spitzbergen. Jetzt würden wir Sie bitten, die nächste Lieferung für uns vorzubereiten“, sagte Nils Stein, Leiter der Abteilung „Genbank“, mit einem Augenzwinkern. Erbse, Soja, Ackerbohne - Sven Schulze packte einige Tütchen mit Samen in eine der grünen Kisten, die dann ihre Reise nach Spitzbergen antreten. 

Die große Vielfalt der Genbank nicht nur zu erhalten, sondern auch immer besser zu erforschen, ist eines der erklärten Ziele des IPK. „Wir wollen die Schlüsselgene erforschen, die für die Anpassung der alten Linien eine besondere Bedeutung haben, um auf dieser Grundlage neue, verbesserte Sorten entwickeln zu können“, sagte Nicolaus von Wirén. Die Erforschung der Anpassungsgeschichte ist auch der Kern eines Sondertatbestandes, den das IPK in Kürze einreichen möchte. Im Kern geht es um jährliche Finanzmittel in Höhe von 3,3 Millionen Euro, die gemeinsam von Bund und Land sowie einem Eigenanteil des Instituts getragen werden. Der Wissenschaftliche Beirat des Instituts begrüßt den Antrag ausdrücklich, und der Bund hat bereits seine finanzielle Unterstützung signalisiert. „Jetzt brauchen wir auch Ihre Unterstützung“, wandte sich Nicolaus von Wirén direkt und persönlich an den Ministerpräsidenten.

„Was Sie machen, hilft der Landwirtschaft, daher gefällt mir der Weg auch sehr gut“, sagte Sven Schulze. Angesichts knapper Kassen gehe es nun darum, „festzulegen, was wir genau wollen“. Die Bedeutung des IPK steht für Sven Schulze außer Frage. „Sie sind nicht nur für Sachsen-Anhalt, sondern für ganz Deutschland ein absolutes Aushängeschild“, erklärte der Regierungschef. Das gelte nicht nur für die Wissenschaft im engeren Sinne. „Das IPK zeigt Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern aus fast 40 Ländern auch, wie international Sachsen-Anhalt ist.“   

Nach 1 ½ Stunden stieg Sven Schulze wieder aufs Rad. Eine Station stand an diesem Tag auf seiner Sommertour noch an. Um 16 Uhr wurde er in Hedersleben erwartet. Auch dort ging es um die Zukunft. Dieses Mal allerdings um den Landeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“.