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IPK Leibniz-Institut/ C. Schafmeister
Thomas Altmann (links) und Nicolaus von Wirén erklärten Martina Englhardt-Kopf die PhänoSphäre.
„Wir sollten Themen wie die Ernährungssicherung besser besetzen“

Im Mai war Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer am IPK, nun informierte sich auch seine Parlamentarische Staatssekretärin über die Forschung des IPK. Martina Englhardt-Kopf äußerte sich aber auch zum Forschungsstandort Deutschland.

„Hereinspaziert in unsere gute Stube“, sagte Anna Backhaus und öffnete Martina Englhardt-Kopf die Tür zu einer der fünf Kühlzellen in der Genbank des Institutes. Kurz zuvor hatte die Leiterin der Arbeitsgruppe „Ressourcengenetik und Reproduktion“ der Parlamentarischen Staatssekretärin noch eine dicke Jacke gereicht. „Was Sie erwarten, sehen sie dort oben“, sagte die IPK-Wissenschaftlerin und zeigte auf die Anzeige über der Tür: minus 18 Grad. Angesichts von Außentemperaturen von mehr als 30 Grad an diesem Augusttag eine willkommene Abkühlung, doch die Parl. Staatssekretärin aus dem Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat wollte sich natürlich vor allem über die Arbeit des Institutes informieren. 

Anna Backhaus nahm die CSU-Politikerin mit auf eine kleine Zeitreise. „Seit 15.000 Jahren erhalten die Menschen bereits Saatgut. Und für uns sind die Samen, die wir heute in unserer Genbank erhalten, wahre Innovationskapseln, die wichtige Erbinformation enthalten, die für die Entwicklung neuer und widerstandsfähiger Sorten gebraucht werden, erklärte die IPK-Forscherin. 

Damit das Saatgut aber auch von Wissenschaft und Züchtung genutzt werden kann, muss es nicht nur unter optimalen Bedingungen gelagert werden, sondern auch regelmäßig auf seine Keimfähigkeit hin überprüft werden. Sinkt diese unter einen bestimmten Schwellenwert, so muss das Saatgut neu angebaut werden. „Getreide bleibt zwar 30 bis 40 Jahre lebensfähig, wir nehmen aber jedes Jahr rund 9.000 Muster aus dem Bestand der gesamten Genbank in den Reproduktionsanbau“, erläuterte die Arbeitsgruppenleiterin, die der CSU-Politikerin in der Kühlzelle auch einige Weckgläser mit Bohnenakzessionen in die Hand gab. „Diese große Vielfalt, die sie für Wissenschaft und Züchtung erhalten, ist wirklich beeindruckend“, sagte Martina Englhardt-Kopf. 

Kurz vor ihrem Besuch in der Genbank hatte Nicolaus von Wirén als Geschäftsführenden Direktor die Parl. Staatssekretärin einen Überblick über die Forschungsaktivitäten gegeben. Dabei ging es um die schrittweise Umwandlung der Genbank in ein Biodigitales Ressourcenzentrum, die Sequenzierung - und um die Neuen Genomischen Techniken, für deren bessere Nutzung das Europäische Parlament nach jahrelangen Diskussionen erst im Juni den Weg geebnet hat. „Grundsätzlich sollten wir mehr Restriktionen abbauen, die uns im internationalen Vergleich ins Abseits stellen“, sagte Martina Englhardt-Kopf. 

„Wir müssen als Forschungsstandort noch resilienter werden und sollten Themen wie die Ernährungssicherung auch besser besetzen.“ Dazu müsse Deutschland ein weltoffenes Land und ein starker Wissenschaftsstandort bleiben, erklärte die Politikerin auch mit Blick auf die bevorstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt im September. 

Dass am IPK exzellente Arbeit geleistet wird, hat die Leibniz-Gemeinschaft dem Institut erst kürzlich im Zuge der Evaluierung bescheinigt. Dies müsse sich aber auch in der Förderpolitik des Bundes niederschlagen, betonte Nicolaus von Wirén. „In der Hightech-Agenda liegt der Schwerpunkt beim Thema Biotechnologie eindeutig auf den beiden Feldern Medizin und Pharmazie. Wir hoffen, dass die Kulturpflanzenforschung dort stärker berücksichtigt wird, schließlich geht es um die allseits geforderte Sicherung der globalen Ernährungsversorgung“, bekräftigte der Geschäftsführende Direktor. „Dabei hoffen wir auch auf ihre Unterstützung“, sagte er der CSU-Politikerin.

Am Ende des Besuches führte Thomas Altmann die Parl. Staatssekretärin noch durch die PhänoSphäre. „Das ist unser Hightech-Versuchsfeld der Zukunft“, betonte der Leiter der Abteilung „Molekulare Genetik“. „Wir können hier die Bedingungen für die Pflanzen so einstellen, wie wir es für die jeweiligen Fragestellungen brauchen und auch schon heute künftige Szenarien simulieren.“ Wie das konkret aussieht, konnte Martina Englhardt-Kopf anhand eines laufenden Versuches mit Raps-Pflanzen sehen, die teils Stickstoff- und teils Wassermangel ausgesetzt sind. „Das ist hochspannend und so etwas sieht man nicht alle Tage“, sagte die Parl. Staatssekretärin und stieg mit ihrem Handy am Ende noch eine Trittleiter hoch, um ein Foto zu machen. Die kurz besorgten Blicke ihrer Gastgeber lächelte sie dabei weg. „Keine Sorge, ich habe schon als Kind immer auf dem Heuboden gespielt“, sagte die CSU-Politikerin aus dem bayerischen Schwandorf.