Bei einem Festakt im Wernigeröder Rathaussaal ist IPK-Wissenschaftler Narendra Narisetti am Mittwochabend im Beisein von Sachsen-Anhalts Wissenschaftsminister Armin Willingmann der Wernigeröder Wissenschaftspreis verliehen worden. Die Laudatio hielt Nicolaus von Wirén.

Mit ihrem Wissenschaftspreis würdigt die Wernigeröder Stadtwerkestiftung schon seit Jahren herausragende wissenschaftliche Leistungen. Vergeben wird die Auszeichnung seit 2009 alle zwei Jahre, das Preisgeld von 3.000 Euro dient dabei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses in der Region. Narendra Narisetti erhielt die Auszeichnung am Mittwoch von Tobias Kascha, Oberbürgermeister und Vorstandschef der Wernigeröder Stadtwerkestiftung und Armin Willingmann, Minister für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt des Landes Sachsen-Anhalt.
In seiner Forschung widmet sich Narendra Narisetti der Entwicklung von automatisierten Methoden zur Hochdurchsatz-Pflanzenbildanalyse und verknüpft dafür Pflanzenforschung mit Künstlicher Intelligenz. Derartige Verfahren ermöglichen eine präzisere und schnellere Auswertung pflanzenwissenschaftlicher Daten. Seine Doktorarbeit hat der 32-Jährige an der Hochschule Harz geschrieben und ist der erste Doktorand, der am Promotionszentrum „Ingenieurwissenschaften und Informationstechnologien“ seinen Doktorgrad verliehen bekommen hat. Seit 2021 ist es möglich, in Sachsen-Anhalt auch an Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) zu promovieren.
„Die Forschung von Narendra Narisetti steht beispielhaft für den Innovationsgeist, den wir im Land fördern. Sie zeigt, wie moderne Technologien die Pflanzenforschung revolutionieren und langfristig zu nachhaltigen Lösungen für Wirtschaft und Gesellschaft beitragen können“, sagte Wissenschaftsminister Armin Willingmann.
„Narendra Narisetti kam 2018 genau zur richtigen Zeit ans IPK. Zum einen war gerade die Arbeitsgruppe Bildanalyse gegründet worden, zum anderen hatten wir mehrere große Anlagen aufgebaut, um in Hochdurchsatzverfahren Pflanzen zu scannen um damit die Dynamik von Wachstumsprozessen erfassen zu können“, erklärte Nicolaus von Wirén, Geschäftsführender Direktor des IPK, der in seiner Laudatio auch die sehr beachtliche Leistung des jungen Forschers hervorhob. „Er hat bereits fünf Artikel als Erstautor in renommierten Fachzeitschriften veröffentlicht. Und daher hat die Stadtwerkestiftung zweifelsohne mit ihm eine ausgezeichnete Wahl getroffen.“
„Bereits 2021, also unmittelbar nachdem die HAW das Promotionsrecht bekamen, hatten sich Narendra Narisetti und Evgeny Gladilin bei mir gemeldet“, sagte Erstbetreuer Frieder Stolzenburg von der Hochschule Harz. „Dass ich den ersten Promovenden der Hochschule Harz bis zu seinem erfolgreichen Abschluss als Doktor der Naturwissenschaften begleiten durfte, freut mich ungemein.“
Die Doktorarbeit befasst sich mit der Entwicklung automatisierter Lösungen, um große Mengen an Pflanzenbildern effizienter zu analysieren. „In der Pflanzenforschung machen Wissenschaftler unzählige Fotos von Pflanzen, um zu untersuchen, wie diese unter ganz verschiedenen Bedingungen wachsen, also etwa bei Änderungen von Faktoren wie Wasser, Licht oder Temperatur. Anhand der Bilder können sie unter anderem Größe und Form von Wurzeln und Blättern analysieren, was wiederum dabei hilft, das Pflanzenwachstum zu verstehen und letztendlich Ernteerträge zu verbessern“, erläuterte Narendra Narisetti. Die manuelle Analyse einer solch großen Zahl von Bildern sei aber nicht nur langsam, sondern auch fehleranfällig. „Die von mir entwickelten computerbasierten Methoden verarbeiten die Fotos automatisch mit fortschrittlicher Technologie wie Künstlicher Intelligenz. Damit können Pflanzenstrukturen wie Wurzelgeflechte schneller und präziser identifiziert werden.“
Die Doktorarbeit soll dabei der Anfang einer vertieften Kooperation zwischen der Hochschule Harz und dem IPK werden. „Wir freuen uns, dass wir mit der Hochschule Harz eine weitere Partnereinrichtung für die Betreuung unserer Doktoranden haben und hoffen, dass die Kooperation nach dem gelungenen Auftakt intensiviert werden kann“, erklärte Evgeny Gladilin, Leiter der Arbeitsgruppe „Bildanalyse“ am IPK und Zweitbetreuer der Arbeit.
Narendra Narisetti studierte zunächst in seinem Heimatland Indien, machte seinen Master in Computer- und Kommunikationstechnologie an der Universität des Saarlandes und zog dann nach Sachsen-Anhalt. Dass er für seine Promotion die Hochschule Harz ausgewählt hat, war für ein Schritt, den er immer wieder gehen würde. „Meine Zeit dort als Doktorand war eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich hatte die einzigartige Gelegenheit, an der Schnittstelle von Bildverarbeitung und Pflanzenwissenschaft an bahnbrechender Forschung zu arbeiten“, so der Preisträger.