Die Versuchsfelder haben für die Forschung am IPK eine hohe Bedeutung. Neben klassischen Landmaschinen kommen dort auch modernste Versuchstechniken wie Drohnen zum Einsatz. Unsere Schülerpraktikantin Lena Heinze war bei einem Drohnenflug in Cochstedt dabei.

Es ist kurz nach zehn Uhr an diesem Morgen im Juni. Am Rand eines Versuchsfeldes nahe Cochstedt im Salzlandkreis kniet Lucas Kronenberg neben einem schwarzen Transportkoffer. Vorsichtig öffnet er ihn. Im Schaumstoff liegen ordentlich verstaut die Drohne, mehrere Akkus, die Fernsteuerung und weiteres Zubehör. Mit wenigen Handgriffen macht er seine Drohne startklar.
Eigentlich hätte sie früher starten sollen, doch weil die Freigabe vom Flughafen Cochstedt zunächst fehlte, verzögerte sich der Start um fast eine Stunde. Jetzt hebt die Drohne ab, steigt langsam in die Höhe und beginnt ihren Flug über Versuchsfelder.
Aber warum hebt überhaupt eine Drohne über den Versuchsfeldern bei Cochstedt ab?
Was für viele Menschen auf den ersten Blick wie ein gewöhnlicher Acker aussieht, hat für Peter Schreiber eine andere Bedeutung. Er ist Leiter der Arbeitsgruppe „Versuchsfeld und Gärtnerei“ und damit so etwas wie der Herr der Versuchsfelder. ,,Die Felder sind wichtig, weil Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus vielen Arbeitsgruppen des Institutes dort ihre Versuche durchführen.“ Doch nicht nur das: Sie sind auch für den Erhalt der in der Genbank des Instituts eingelagerten alten Sorten von großer Bedeutung. Sinkt die Keimfähigkeit des Saatgutes in der Genbank unter einen bestimmten Schwellenwert, muss dieses auf den Feldern wieder frisch angebaut und vermehrt werden.
Notwendig für die Wissenschaft: Nicht nur im Labor, sondern auch auf dem Versuchsfeld muss sehr akkurat gearbeitet werden. Deshalb haben die Versuchsfelder eine einheitliche Struktur und sind in zahlreiche kleine Parzellen unterteilt, die getrennt bewirtschaftet werden. „Ideale Wetterbedingungen herrschen leider selten“, sagt Peter Schreiber. „Stattdessen stellen Trockenheit und Schädlinge immer wieder Herausforderungen für uns dar.“ Sind die Versuche erst einmal gut angelaufen, werten die Forscherinnen und Forscher die Vielzahl der erhobenen Daten mithilfe spezieller Software sowie KI-Tools exakt aus.
Doch für die Arbeit auf den Versuchsfeldern ist weit mehr erforderlich als nur Drohnen und KI. Unter einem Schleppdach auf dem Campus stehen unterschiedlichste Landmaschinen und Versuchstechnik. Gerald Fiedler kennt jede einzelne davon. „Auf den rund 60 Hektar Versuchsflächen, auf denen vor allem Weizen angebaut wird, kommen Ackerschlepper, Anbau- und Erntemaschinen zum Einsatz“, erklärt der Mitarbeiter aus der Arbeitsgruppe „Versuchsfeld und Gärtnerei“. Viele Arbeiten werden durch automatische Lenksysteme unterstützt. „Ich arbeite viel mit Technik auf dem Feld, aber natürlich auch am Computer. Diese Verbindung macht meine Tätigkeit so spannend und abwechslungsreich.“
Über den Versuchsfeldern bei Cochstedt dreht derweil die Drohne von Lucas Kronenberg und seinem Kollegen Johann Seinig ihre Runden. Zusammen mit IPK-Forscher Malte Schmidt und Lukas Roth von der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg schauen sie sich die Aufnahmen aufmerksam an und diskutieren die neuen Daten. Auf den Versuchsflächen bei Cochstedt werden 150 Weizensorten und 650 Sortenmischungen angebaut und untersucht. Jede Sorte ist also in mindestens vier Mischungen vertreten. „Wir wollen in dem zweijährigen Versuch herausfinden, welche Kombinationen sich auf dem Versuchsfeld gut ergänzen und unter verschiedenen Bedingungen besonders gut wachsen“, erklärte Malte Schmidt, Forscher aus der Perspektivgruppe „Agrarökologische Züchtung.“ „Dazu untersuchen wir die Genetik beider Komponenten und prüfen, wie sie miteinander interagieren.“
Doch es geht im Versuch nicht nur um die Genetik. Eine Arbeitsgruppe der ETH Zürich interessiert sich für das Zusammenspiel einzelner äußerer Merkmale. Die Drohne spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie liefert hochauflösende Bilder mit einer Vielzahl von Daten, darunter die Pflanzenhöhe und die Anzahl der Ähren.
Je nach Fragestellung kommt die Drohne unterschiedlich häufig zum Einsatz. Während die Versuchsfelder bei Cochstedt nur einmal überflogen wurden, setzten die Kolleginnen und Kollegen in der Schweiz die Drohne gleich mehrfach pro Woche ein. „Wichtig ist, dort die Entwicklung der Pflanzen über einen längeren Zeitraum zu beobachten“, so Malte Schmidt.
Nach drei Stunden endet an diesem Junitag der Flug. Lucas Kronenberg holt seine Drohne wieder vom Himmel. Anschließend reinigt er seine Drohne und verstaut sie wieder im Koffer. Denn der nächste Einsatz lässt nicht lange auf sich warten.