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„Das IPK steht für neue wissenschaftliche Ideen“

Seit März ist Ingmar Schmidt Administrativer Leiter am IPK. Im Interview spricht der 58-jährige Mikrobiologe über seine Erfahrungen an der Universität in Kiel, die Rolle der Pflanzenforschung und seine große Neugierde.

IPK Leibniz-Institut / A. Bähring
Ingmar Schmidt, Administrativer Leiter des IPK

Sie haben seit Ihrem Start am Institut schon sehr viele Gespräche geführt. Welchen Eindruck haben Sie bisher vom Institut gewonnen?

Ich bin davon überzeugt, dass sowohl das Institut als auch die Pflanzenforschung insgesamt noch enormes Potenzial haben. Denken Sie nur an den fortschreitenden Klimawandel, die wachsende Weltbevölkerung und den großen Wunsch nach mehr Nachhaltigkeit. Insofern lohnt es sich, hier am IPK anzupacken und daran zu arbeiten, alle Ressourcen bestmöglich nutzen zu können. Das betrifft die finanziellen Mittel ebenso wie die Forschungsinfrastruktur und die Mitarbeitenden in sämtlichen Bereichen.

Sie waren unter anderem zehn Jahre lang an der Uni Kiel und haben dort ein Forschungsreferat geleitet, das sich um das Einwerben von Drittmitteln gekümmert hat. Später standen Sie an der Spitze einer Abteilung mit 60 Leuten. Was haben Sie in Kiel erreicht?

Wir haben an der Uni Kiel vier Forschungsschwerpunkte festgelegt, die grundsätzlich alle aus sich heraus eine exzellente Forschung anbieten sollten. Und die Rechnung ist am Ende auch tatsächlich aufgegangen. Wir hatten letztlich zwei Exzellenzcluster, eine Graduiertenschule sowie ein weiteres Exzellenzprojekt. So ist es nicht nur gelungen, die Höhe der Drittmittel innerhalb von zehn Jahren beinahe zu verdoppeln, sondern auch vom Land zusätzliche Gelder zu bekommen. Es gab also eine positive Rückkoppelung und das hat den Standort enorm gestärkt.

Wie sind Sie und Ihre Kolleginnen und Kollegen dort vorgegangen?

Ganz wichtig war es, bei der Erarbeitung der Forschungsschwerpunkte eine mögliche Finanzierung von Beginn an mitzudenken. Dabei war auch gleich klar, dass alle vier Forschungsschwerpunkte zur Finanzierung der Universität beitragen müssen - nicht umgekehrt. Nur so war es möglich, die Kapazitäten des Rechenzentrums mit den erhöhten Anforderungen aus der Wissenschaft schnell mit zu entwickeln und entsprechende digitale Services hochschulweit zu finanzieren. Das hat dann die Attraktivität des Standortes weiter erhöht. Es war im Ergebnis ein hochgradig produktiver Prozess.

Welche Ihrer vielen Stationen hat Sie neben Kiel am meisten geprägt?

Neben meiner Zeit an der Universität Kiel haben mich vor allem die vier Jahre in der Europäischen Forschungsverwaltung geprägt. Wir waren ein Team von 30 Leuten, die aus 20 Ländern stammten. Dabei ging es darum, Kooperationen mit den früheren Republiken der Sowjetunion auszuloten. Ich habe in diesem internationalen Arbeitsumfeld gelernt, wie wichtig Vielfalt ist, um Entwicklungen anzustoßen.

Ich war damals für die Lebenswissenschaften zuständig. In dieser Funktion konnte ich 1999 das Labor in Russland besuchen, in dem Forschung zu Biowaffen stattgefunden hat. Auch das war - wie Sie sich vorstellen können - ein äußerst beeindruckendes Erlebnis. Später habe ich dann unter anderem noch mehrere Jahre an der Berliner Humboldt Universität gearbeitet und konnte viel über die Bedeutung von geisteswissenschaftlicher Forschung lernen.

Nach Brüssel, Kiel und Berlin folgt nun also Gatersleben. Forschungsinstitut statt Uni. Ostdeutsche Provinz statt Hauptstadt.

Wir sollten uns den Standort nicht schlecht reden, im Gegenteil. Das Institut ist doch genau da, wo es hingehört. Hier im ländlichen Raum im Harzvorland ist der Platz für Landwirtschaft, und hier ist damit auch der Platz für Pflanzenforschung. Das hat aus guten Gründen eine lange Tradition. Und wenn ich es etwas zugespitzt formulieren darf: In der Provinz werden die Lebensgrundlagen geschaffen, die in den Städten verbraucht werden. Damit ist die Provinz ein tragender Teil der Gesellschaft, der künftig noch an Bedeutung gewinnen wird.

Kritische Stimmen sagen dennoch, der ländliche Raum und die Randlage seien ein Standortnachteil für das Institut. Sehen Sie das auch so?

Die Diskussion wird an vielen Standorten geführt. Auch in Kiel haben sich viele Leute Sorgen wegen der vermeintlichen Randlage gemacht und Nachteile - etwa mit Blick auf Hamburg - gesehen. Nach meiner Erfahrung sind es vor allem die Arbeitsbedingungen, die für Spitzenleute entscheidend sind. Und da wir da sehr viel zu bieten haben, werden wir auch weiterhin sehr gute Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für das IPK gewinnen können.

Können Sie uns schon sagen, welche Projekte auf Ihrer Prioritätenliste ganz oben stehen, und welche Schwerpunkte Sie setzen wollen?

Ganz oben auf der Liste steht das alte Verwaltungsgebäude. Es soll möglichst bald saniert werden und dann wieder zur Verfügung stehen. Aber auch die Bioinformatik und die Teilsammlungen Nord habe ich im Blick. Ziel muss es immer sein, eine möglichst gute Infrastruktur für die Wissenschaft bereitzustellen.

Welche Rolle fällt aus Ihrer Sicht der Verwaltung zu? Haben Sie vielleicht ein Leitbild, das für einen Verwaltungsbereich in einem Forschungsinstitut gelten könnte?

Nun, die Verwaltung sollte nach meinem Verständnis ein Servicebereich für die Wissenschaft sein und ihre Leistungen dabei effektiv zur Verfügung stellen. Im Vergleich zu einer Uni-Verwaltung ist Verwaltung am IPK vergleichsweise klein, muss aber gleichwohl ein breites Spektrum an Aufgaben abdecken. Das heißt, ich kann trotz der vielen gut qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht für jedes Thema einen Spezialisten haben. Die Verwaltung braucht eine flexible Organisation und muss sich - angepasst an die jeweiligen Herausforderungen - immer wieder neu aufstellen.

Pflanzenforschung ist immer noch ein kleiner Forschungszweig. Wie kann die Bedeutung der Pflanzenforschung dennoch überzeugend vermittelt werden?

Es geht nicht um die Größe eines Forschungsgebietes, es geht um die Nachricht, die ich vermitteln kann. Und die Leute wollen doch Nachrichten hören, die sie in ihrem eigenen Leben weiterbringen. Da hat die Pflanzenforschung einiges zu bieten. Begriffe wie Ernährung, Nachhaltigkeit und Natur, um die sich unsere Forschung letztendlich dreht, sind doch alle positiv besetzt. Und es sind alles Aspekte, die in der Öffentlichkeit immer stärker aufgegriffen werden. Das sollten wir nutzen, und das sollte uns helfen, ein Stück weit selbstbewusster aufzutreten.

Muss dazu auch die Ausrichtung des Instituts angepasst werden?

Wir entwickeln gerade einen neuen Forschungsschwerpunkt, der Fragen der Agrarökologie umfassen soll. Der Grundgedanke ist, dass der Landwirt auf seinem Acker künftig nicht mehr nur eine Pflanze anbaut, sondern über die Zeit wechselnde Pflanzengesellschaften. Es geht also etwa um Fragen der Fruchtfolge und Themen wie Zwischenfrüchte. Damit wären wir auch gleich wieder bei Ernährung und Nachhaltigkeit, also Themen, die positiv besetzt sind und die Menschen beschäftigen.

Wichtig dabei sind mir aber auch zwei weitere Punkte. Wir vermitteln damit, dass das IPK wieder einmal für neue wissenschaftliche Ideen steht. Das sollte uns auch stolz machen. Und wir denken darüber nach, wofür wir stehen. Und nur wer diese Frage beantworten kann, wird erfolgreich sein.   

Für exzellente Forschung immer wieder auch eine entsprechende Finanzierung zu organisieren, ist eine der zentralen Herausforderungen. Wie sehen Sie das IPK da momentan aufgestellt? Und über welche Stellschrauben könnten zusätzliche Mittel erschlossen werden?

Mein Eindruck ist, das IPK ist gut durchfinanziert und steht auch bei den Drittmitteln im Vergleich zu anderen Leibniz-Instituten gut da. Es geht aber bei den Drittmitteln nicht nur um die Höhe, sondern auch darum, von wem sie kommen. Mittelfristig sollte das Institut aus meiner Sicht versuchen, mehr Mittel aus renommierten Förderprogrammen zu gewinnen. Das könnte eine Alexander-von-Humboldt-Professur ebenso sein wie ein „Advanced Grant“ vom European Research Council (ERC) oder die Aufnahme in einen Sonderforschungsbereich.

Die Arbeit als Administrativer Leiter ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Wie entspannen Sie sich? Und welche Hobbys haben Sie?

Ich fahre gerne Rad, gehe gerne wandern und freue mich auch auf einen Theaterbesuch. Das lässt sich bei mir aber alles nicht auf ein Hobby reduzieren. Ich bin grundsätzlich ein neugieriger Mensch. Und meine Neugierde auch außerhalb des beruflichen Umfeldes auf den verschiedensten Gebieten befriedigen zu können, das ist eine Sache, die mich sehr entspannt und zufrieden macht.