Bundesminister Alois Rainer hat am Dienstag das IPK besucht und einen unmittelbaren Eindruck davon gewonnen, welche Bedeutung die Genbank für Forschung, Züchtung und Ernährungssicherung hat. Im Mittelpunkt seines Besuches standen die mehr als 151.000 Muster umfassende Sammlung, Fragen zur Modernisierung dieser einzigartigen Infrastruktur sowie die Rolle neuer genomischer Techniken für eine schnellere und auch gezieltere Pflanzenzüchtung.

„Stammt die wirklich aus den 1940er Jahren?“ Alois Rainer konnte kaum glauben, dass die Weizenähre, die Nils Stein ihm in einem langen Karton in der Ährensammlung präsentierte, tatsächlich von einer Sammelreise nach Griechenland stammt und mittlerweile mehr als 80 Jahre alt ist. „Solche alte Ähren haben für die Wissenschaft als Vergleichsmuster auch heute noch große Bedeutung“, erklärte der Leiter der Abteilung „Genbank“ dem Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) bei dessen Besuch in Gatersleben. Dass ihn der Weg gleich in die Genbank mit ihren mehr als 151.000 Mustern führte, war kein Zufall. Denn Alois Rainer nutzte eine Sitzung des Wissenschaftlichen Beirats für Biodiversität und Genetische Ressourcen (WBBGR) in Gatersleben für seinen ersten Besuch am IPK. Das Gremium, dem auch IPK-Forscher Nils Stein seit 2023 angehört, berät das Ministerium bei sämtlichen Fragen zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt. In der Genbank erhielt der CSU-Politiker also Informationen aus erster Hand.
Neben der Ährensammlung erklärte Nils Stein dem Minister auch die Keimprüfung, die für das Saatgut regelmäßig vorgenommen wird. Sinkt die Keimfähigkeit im Laufe der Zeit unter einen bestimmten Schwellenwert, muss das Saatgut frisch angebaut werden und Duplikate des frischen Saatgutes kommen anschließend auch in den Internationalen Saatguttresor „Global Seed Vault“ nach Spitzbergen.
„Sie können stolz darauf sein, in der Pflanzenforschung weltweit führend zu sein“, hatte der Minister gleich zu Beginn seines Besuches betont. Ebenso zeigte er sich von den Kühlzellen der Genbank beeindruckt. Alois Rainer nahm dort Sammlungsbestände von Weizen und Bohnen in Augenschein und ließ sich die Langzeitlagerung bei minus 18 Grad erläutern. „Die enorme Vielfalt, die in unserer Genbank lagert, ist für die Züchtung ein sehr kostbarer Schatz, denn Züchtung benötigt eine große Vielfalt“, betonte Nils Stein. „Es kommt jetzt darauf an, der Züchtung mehr und genauere Informationen zu den Sammlungsbeständen der Genbank zur Verfügung zu stellen. Angesichts der großen Herausforderungen können die Züchter damit schneller und gezielter die Sorten entwickeln, die unsere Landwirtschaft dringend benötigt.“
Damit die Genbank des IPK, die größte ihrer Art in der Europäischen Union, ihre zentrale Funktion dauerhaft erfüllen kann, seien aber erhebliche Investitionen erforderlich, erklärte Nils Stein dem Minister. Dies betreffe insbesondere die Kühltechnik, die sich teilweise in einem kritischen Zustand befinde, sowie die Hochregale in den Kühlzellen, die nicht mehr zeitgemäß seien. Für eine umfassende Modernisierung der Bundeszentralen Ex-situ-Genbank seien 40 bis 50 Millionen Euro notwendig, sagte der Abteilungsleiter.
Alois Rainer zeigte grundsätzlich Verständnis für die Anliegen des IPK und erkannte auch die besondere Bedeutung der Genbank als kritische Infrastruktur für die Ernährungssicherung an. Er nehme das Anlagen daher mit, sagte der Minister, der zwischen 2021 und 2025 auch Vorsitzender des Finanzausschusses des Deutschen Bundestages war.
Offen für die Position der Wissenschaft und des IPK hatte sich der Minister zuvor auch beim Thema der „Neuen Genomischen Techniken“ (NGT), zu denen auch die Genschere CRISPR Cas gehört. Er habe zwar Verständnis für die Position der Gegner in dieser hochemotionalen Debatte, sagte Alois Rainer. „Aber wir brauchen eine Beschleunigung der Pflanzenzüchtung, und da können uns die NGT helfen. Dazu stehe ich.“ Nach jahrelanger Diskussion stimmt das Europäische Parlament vermutlich im Juni abschließend über die Änderung des europäischen Gentechnikrechtes und Möglichkeiten zur Nutzung von NGT ab.
Die Positionierung des Ministers freute auch Nicolaus von Wirén. Der Geschäftsführende Direktor des IPK hatte den Minister begrüßt und ihm sowie dem Wissenschaftlichen Beirat die Forschungsschwerpunkte des Institutes vorgestellt. „Wir beschäftigen uns mit den großen globalen Herausforderungen wie dem Klimawandel und dem fortschreitenden Verlust an Biodiversität“, erläuterte Nicolaus von Wirén. Konkret gehe es um eine Verbesserung der Züchtungsmethoden, die Steigerung der Leistung und Resilienz der Pflanzen und um die Anpassung an den Klimawandel.
Welche Rolle dabei die PhänoSphäre als zweite große Forschungsinfrastruktur des Institutes spielt, erklärte Thomas Altmann dem Bundesminister. Ziel sei es, Zusammenhänge zwischen dem Erbgut und den Eigenschaften der Pflanzen besser herzustellen zu können. „Wir haben in der PhänoSphäre nicht nur die Möglichkeit, Feldsituationen besser als jemals zuvor zu simulieren, sondern je nach Versuchsfrage auch gezielt zu verändern“, sagte der Leiter der Abteilung „Molekulare Genetik“. Dazu gehört die Simulation künftiger Umweltsituationen, wie Modelle diese vorhersagen. „So können wir ermitteln, wie performant die genetische Vielfalt der Genbank unter solchen zukünftigen Bedingungen ist“, sagte Thomas Altmann.
Weitere Infos:
Infos zum Wissenschaftlichen Beirat (WBBGR):
www.bmleh.de/DE/ministerium/organisation/beiraete/bio-div-organisation.html
Links zum aktuellen Genbank-Film:
https://www.youtube.com/watch?v=grI8OoArX3w (Kurzfassung)
https://www.youtube.com/watch?v=pHumDEapl5A (Langfassung)
Link zur Multimedia-Story über die PhänoSphäre:
https://ipkstories.pageflow.io/ipk-phaenosphaere-36009