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IPK Leibniz-Institut
Martin Ganal, Gründer von TraitGenetics
Der risikofreudige Schwabe

Martin Ganal ist eine der prägenden Figuren am Forschungscampus. In Kürze geht er in den Ruhestand, und das von ihm gegründete Unternehmen „TraitGenetics“ feiert 25-jähriges Bestehen. Zeit für einen Rückblick.

Die Würfel für Gatersleben fielen 1991 bei einer Konferenz in Tucson im US-Bundesstaat Arizona. Dort traf Martin Ganal die Betreuerin seiner Doktorarbeit wieder - und die hatte die Ausschreibung für eine freie Stelle am IPK dabei. Nach einigen Jahren, die er und seine Frau Marion Röder gemeinsam an der Cornell University im US-Bundesstaat New York verbracht hatten, mussten sich beide entscheiden: In den USA bleiben oder zurück nach Deutschland? „Wir kommen aber nur im Doppel, das war unsere Bedingung in den Gesprächen mit dem IPK“, erinnert sich Martin Ganal. Man wurde sich einig, und der heute 66-Jährige startete 1993 am IPK als Leiter einer Arbeitsgruppe, in der auch seine Frau eine Stelle bekam. 

Heute, 33 Jahre später, sitzt Martin Ganal an einem frühlingshaften Februartag, in seinem Büro der Firma „SGS TraitGenetics“ und schaut zurück, aber auch nach vorne. In wenigen Tagen feiert das Unternehmen sein 25-jähriges Bestehen und er selbst wird in den Ruhestand verabschiedet. „Wir wollten nicht zwei Feiern, sondern nur eine machen. Die erstreckt sich dafür aber über drei Tage“, lacht der Gründer und langjährige Haupteigentümer von TraitGenetics. Angekündigt haben sich mehr als 100 Geschäftspartner und langjährige Wegbegleiter. Denn Martin Ganals Weg auf dem Forschungscampus ist einzigartig.

„Ich wollte immer eine Brücke zwischen Wissenschaft und Wirtschaft schlagen“, erklärt der 66-Jährige seine Motivation. Am IPK beschäftigte sich der Biologe, der aus der Nähe von Lindau am Bodensee stammt und in Tübingen studierte, zunächst mit Tomaten und der molekularen Isolation von Genen, also ganz in der Tradition von Institutsgründer Hans Stubbe, wie er betont. Seine Frau arbeitete unterdessen mit molekularen Markern bei Weizen und sorgte 1998 mit dem Paper „A Microsatellite Map of Wheat“ für sehr viel Aufsehen. Doch nicht nur das: Marion Röder, Martin Ganal sowie einer ihrer Postdocs meldeten auch ein Patent an. „Der damalige Patentanwalt des Instituts war sofort vom Erfolg überzeugt - und er sollte Recht behalten“, erinnert sich Martin Ganal. Mehr als eine Million D-Mark habe der Verkauf von Lizenzen damals eingebracht. 

Dieser Erfolg bestärkte Martin Ganal, seinen Weg weiterzugehen. Sein Ziel: Geld verdienen mit Erkenntnissen aus der Wissenschaft. Dafür gründete er „TraitGenetics“ und verließ im Oktober 2001 das IPK. „Viele am Institut haben nicht verstanden, dass ich dieses Wagnis eingehe und eine sichere Stelle aufgebe“, erinnert er sich. Doch nicht nur Kolleginnen und Kollegen hatten Zweifel. „Die Technologiebeteiligungsgesellschaft des Bundes (TBG) sah bei uns keine Vision, weshalb uns eine Million D-Mark Startkapital fehlte.“ Also musste ein weiterer Geldgeber in Form der Mittelständigen Beteiligungsgesellschaft (mbg) gefunden werden. Martin Ganal aber glaubte fest an die Idee, aus den molekularen Markern ein Geschäftsmodell zu machen. „Uns Schwaben sagt man ja immer nach, wir könnten mit Geld umgehen, und auch viele aus meiner Familie sind mutig den Schritt in die Selbstständigkeit gegangen, vielleicht liegt es mir in den Genen.“

Heute, 25 Jahre nach der Gründung, fällt die Bilanz positiv aus. Das Unternehmen ist sehr gut aufgestellt und wächst kontinuierlich. Zu den Kunden zählen Züchter aus aller Welt. „Unser Fokus liegt zwar auf Europa, wir haben aber auch Kunden in Ländern wie Chile, den USA, Kanada, Indien oder Südafrika.“ Doch das Unternehmen unterhält auch geschäftliche Beziehungen zu zahlreichen Forschungseinrichtungen aus dem akademischen Bereich. „Wir stellen uns genau auf die Wünsche unserer Kunden ein und bieten eine hohe Qualität, aber die hat natürlich ihren Preis“, sagt Martin Ganal. „Wir sind mehr Spezialitätenladen als Discounter.“ 

Die Frage, ob das Unternehmen die erfolgreichste Ausgründung aus dem Institut sei, beantwortet der Gründer diplomatisch und doch klar. „Wir sind zumindest das einzige der Unternehmen, das heute noch besteht.“ Zwar nicht mehr in der ursprünglichen Konstellation, dennim Jahr 2018 entschließen sich Martin Ganal als Hauptgesellschafter und seine Mitgesellschafter zum Verkauf des Unternehmens an die SGS-Gruppe. Das Unternehmen trägt nun den etwas sperrigen Namen „SGS Institut Fresenius GmbH Trait Genetics Section“. Finanziell war es ein lukrativer Schritt, emotional jedoch schwierig. Drei Jahre bleibt Martin Ganal noch unter dem neuen Eigentümer Geschäftsführer, danach zieht er sich auch von diesem Posten zurück. „Man muss lernen, Platz zu machen, auch wenn das nicht ganz einfach ist.“

Eine Nachfolgerin als Geschäftsführerin ist mit Heike Gnad schon lange gefunden, auch der Zeitplan steht. Ende des Jahres scheidet Martin Ganal aus dem Unternehmen aus, steht dann nur noch bei Bedarf beratend zur Seite. Seine Frau ist schon vor fünf Jahren in den Ruhestand gegangen und hatte sich den, wie sie sagte, zum 60. Geburtstag geschenkt. Jetzt folgt ihr Mann, ebenfalls an einem Jubiläum, dem 25-jährigen Bestehen der Firma. Die Staatssekretärin aus dem Wirtschaftsministerium in Magdeburg habe sich bereits für die Veranstaltung Mitte März in Wernigerode angekündigt, so Martin Ganal.

Ob er mit sich im Reinen sei? Martin Ganal muss kurz überlegen. „Es wäre aus meiner Sicht mehr möglich gewesen bei der gemeinsamen Vermarktung des Forschungscampus‘ und der Kooperation von der Wissenschaft mit der Wirtschaft“, sagt er nach einer kurzen Pause. Aber das sei Geschichte. Und dann springt er am Ende des Gespräches plötzlich auf. 

„Kommen Sie mal, ich muss noch etwas zeigen“, erklärt der 66-Jährige, öffnet einen Schrank und zeigt auf sechs Aktenordner. „Darin sind alle meine Publikationen. In Summe mehr als 150.  Zwei Ordner aus der IPK-Zeit, aber vier aus der Zeit von TraitGenetics.“ Ihm ist wichtig, dass er auch heute noch als Wissenschaftler wahrgenommen wird, nicht nur als Unternehmer. Im Oktober will er eine Kartoffel-Tagung in Kenia besuchen, im November folgt eine Hafer-Tagung in Chile. Danach geht es zurück in die Heimat, an den Bodensee. „Wir lassen uns in einem kleinen Weindorf bei Lindau nieder.“ Dann schließt sich das Kapitel „Gatersleben“, das 1991 nach einem Gespräch in der Wüste Arizonas seinen Anfang genommen hat.